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Entwicklungshilfe mit Herz und Biss:
Transfair - Eine Idee hilft Millionen von Menschen


Viel Arbeit – wenig Geld. Die armen Bauern in Südamerika, Asien oder Afrika können sich meist nicht gegen das Preisdiktat der global agierenden Lebensmittelkonzerne wehren. Doch mit Hilfe eines neuen Labels können auch die Verbraucher ein Wörtchen mitreden und dafür sorgen, dass die Produzenten einen fairen Preis für ihre Arbeit erzielen. Jeder Kunde entscheidet am Einkaufsregal mit über ein wenig mehr Gerechtigkeit in dieser Welt. Und er wird dafür sogar belohnt: Mit bester Qualität.

Die Schauspielerinnen Marie-Luise Marjan und Mariele Millowitsch tun es, der Fußballer Giovane Elber ist dabei und auch Norbert Blüm, Johannes Rau oder die Popband Sportfreunde Stiller.
Zusammen mit zahlreichen anderen Prominenten unterstützen sie den Verein „Transfair“.

Diese Initiative sorgt dafür, dass die Erzeugnisse aus den Anbieterländern fair gehandelt und eingekauft werden. Ob Kaffee, Tee, Orangensaft, Bananen, Kakao, Zucker, Fußbälle oder Wein, die so gehandelten Produkte erhalten das Transfair-Siegel. Meist sind sie etwas teurer, zeichnen sich dafür aber durch hohe Qualität aus. Immer mehr Versandhäuser, Handels- oder Supermärkte schließen sich dieser Initiative an und stellen die Transfair-Produkte in ihre Regale.

Durch den gezielten Einkauf der Verbraucher werden zudem Fairtrade-Prämien erzielt. Sie fließen direkt zurück in soziale Projekte und unterstützen außerdem den ökologischen Anbau in den einzelnen Erzeuger-Ländern. „Die Produzentenorganisationen in Afrika, Asien und Lateinamerika erhielten durch den bewussten Einkauf der Verbraucherinnen und Verbraucher FairTrade-Prämien von 1,2 Millionen Euro“, sagt Norbert Dreßen von der kirchlichen Hilfsorganisation Misereor, die diese Initiative ebenfalls tatkräftig unterstützt.

Der Unterstützerkreis wird immer breiter. Sogar der letztjährige Fußballmeister Werder Bremen ist dabei. Der Geschäftsführer Klaus Allofs sorgte dafür, dass der Verein nun mit Transfair-Fußbällen kickt. „Es ist für uns selbstverständlich, mit unserem langjährigen Partner Derbystar die Initiative von Transfair zu fördern. Werder Bremen ist sich seiner sozialen Verantwortung und Vorbildfunktion bewusst und neben der sozialen Komponente handelt es sich auch noch um ein erstklassiges Produkt.“ Eins zu Null für Transfair, auch wenn es dieses Jahr für Werder Bremen nicht zur Meisterschaft gereicht hat. Selbst die Bälle, mit denen bei der Weltmeisterschaft 2006 gekickt wird, sollen aller Voraussicht nach das Transfair-Logo tragen.

Fair geht es nicht nur auf dem Rasen zu, auch der Magen hat etwas davon. So lud Norbert Blüm zum Probieren von Biofruchtsäften in einen Supermarkt am Frankfurter Flughafen. „Schön, wenn Fairness und Geschmack zusammentreffen“, sagte der ehemalige Minister und ließ es sich mit Hunderten von Kunden schmecken. Und Stefan Raabs Fernsehpraktikant Elton verkostete Transfair-Kaffee bei der Kaffeehauskette Starbucks.

Ein Zuwachsplus von 30 Prozent erlebten im letzten Jahr auch die von Transfair lizenzierten Süsswarenprodukte. So lässt sich beispielsweise die renommierte Schokoladenmanufaktur Zotter mit den Transfair-Kakaobohnen beliefern.

Selbst Karstadt-Quelle stieg als Unterstützer der Idee mit ein und bestückte seine Regale mit diesen Produkten. Mit dabei ist auch Kaffeeröster Albert Darboven.
So ganz uneigennützig ist die Beteiligung nicht, denn dieses Siegel ist für die Kunden inzwischen zu einem Qualitätsgaranten geworden. Bestätigt wird dies von unabhängigen Instituten. So erhielt der Transfair-gehandelte Orangensaft von Pfanner das Öko-Test Urteil „Sehr gut“ in allen Bereichen. Ausgezeichnet wurde aber auch der Merlot 2002 Stellar Organics Gold, der den begehrten internationalen Weinpreis der Biofach 2005 erhielt. „Sehr gut“, schnitt bei Öko-Test der Schwarztee der Marke „Käfer“ ab. Experten sind über die positive Bewertung nicht verwundert. Schließlich können Kaffee, Bananen oder Früchte wegen der fairen Preise ökologisch angebaut werden. Ein zusätzliches Qualitätsmerkmal, das trotz der „Geiz-ist-Geil“ und „Billig-Billig“ -Mentalität der Deutschen zunehmend Beachtung finden dürfte. Schließlich sollen Tee, Kakao oder Baumwolle gesund und gut verträglich sein. Gut verträglich oder „fair feels good“ ist auch das damit verbundene gute Gewissen. Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek: „Jede und Jeder kann mit dem Kauf von fair gehandelten Produkten, zum Beispiel Bananen, dazu beitragen, dass in den Entwicklungsländern Kinder nicht mehr ausbeuterische Arbeit leisten müssen. Das ist ein kleiner, aber wichtiger Beitrag zu mehr Gerechtigkeit in der Welt.“

Neben der EDEKA-Gruppe oder dem Versandhaus Otto unterstützen zahlreiche Handelshäuser auch die mit dem Verein „Transfair“ kooperierende Rugmark-Initiative. Sie vergibt Teppich-Prüfsiegel, die garantieren, dass sie nicht durch Kinderarbeit hergestellt wurden.

Durch den großen Erfolg und die Akzeptanz überwacht die Rugmark-Organisation inzwischen 65 Prozent der Teppichproduktion in Nepal und 25 Prozent der Knüpfereien in Indien. Allein in Deutschland wurden in den letzten zehn Jahren 3,5 Millionen Teppiche mit diesem Siegel verkauft.

Handfeste Zahlen können die Initiatoren auch bei den Kaffeebauern vorweisen. Im letzten Jahr erhielten diese die aus dem Verkauf erzielten fünf Millionen Euro, die für soziale Projekte, Einkommens- und Qualitätsverbesserungen eingesetzt wurden.

In den Erzeugerländern wirkt der faire Handel inzwischen als Hilfe zur Selbsthilfe. Böden werden nicht mehr durch Pestizide verseucht und durch schonenden Anbau nachhaltig geschützt. 

Erreicht hat die Idee inzwischen auch den Hochadel. So wurde der Initiative der König-Baudouin-Preis zugesprochen. Geadelte Produkte – Warum nicht? Schließlich hilft’s den ärmeren Menschen auf diesem Planeten und sorgt für mehr Gerechtigkeit im Welthandel.

Janek Vincier

Foto © TransFair

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