Gewürze für Leib und Seele:
Eine Prise große Welt
Sie verfeinern saftigen Braten, zarte Fische oder knackigen Salat: Gewürze sind aus unseren Küchen nicht mehr wegzudenken. Doch sie sind auch wahre Vitamin- und Mineralienwunder, die zunächst nur in gut „betuchten“ Haushalten auf den Tisch kamen. Lange ist das her ... und das ist auch gut so.
Trist sah’s aus in deutschen Küchen. Viel Brei, viel Grütze und Haferschleim und alles ziemlich fad. Doch mit der Entdeckung der Meerespassagen ging’s aufwärts in unseren Küchen. In den Schiffsbäuchen der großen Frachtsegler wurden bald exotische Körner und Blätter an den Piratenschiffen vorbei auch in deutsche Häfen gebracht. Aus Ländern, die auf den Landkarten nur schwer zu entdecken waren. Halt von dort, „wo der Pfeffer wächst“.
Gewürze, das war im 17. und 18. Jahrhundert vorwiegend etwas für reiche Leute. Märchenhafte Gewinne machten die Händler damit und so wurden sie vom Volk bald spöttisch als „Pfeffersäcke“ bezeichnet. Sogar Kriege wurden um diese wertvollen Handelsgüter geführt.
Bereits im 2. Jahrtausend vor Christi Geburt handelten die Phönizier mit dem gewinnbringenden Stoff. Übernommen wurde das Geschäft zunächst von den Arabern und später von den Fürsten von Genua und Venedig. Doch wo auch immer die kostbare Fracht zum Kauf angeboten wurde, die Händler verlangten für ihre Waren „gepfefferte“ Preise. Das galt besonders für seltene Gewürze, wie der aus Krokussen gewonnene Safran. Über Jahrhunderte wurde er gar mit Gold aufgewogen und noch heute zählt er zu den teuersten Zutaten für die heimische Küche.
Begehrt waren die Gewürze nicht nur wegen ihres Geschmacks, sondern auch wegen der ihnen zugeschriebenen gesundheitlichen Wirkungen. Die Lebensgeister sollten sie wecken, ein langes und gesundes Leben ermöglichen und - natürlich - die Manneskraft stärken.
Kein Wunder, dass sie bald als Medizin in den Apotheken verkauft wurden. Als Mittel gegen das Gelbe Fieber oder zum Lindern der Erkältungsfolgen.
Doch was war dran, an dieser angeblich phänomenalen Wirkung der wohlriechenden Gewürze? Die spätmittelalterlichen Labore tappten noch im Dunkeln und so wurden die Heilwirkungen wissenschaftlich erst Jahrhunderte später nachgewiesen. Gewürze sind bei entsprechender Dosierung und Zubereitung durchaus probate Heilmittel, etwa gegen Blähungen oder Schleimhautentzündungen. Ganz abgesehen von den hohen Konzentrationen an Vitaminen (besonders Vitamin C) und Spurenelementen, die unsere Gesundheit schützen. So verfeinert Pfeffer nicht nur den Braten, sondern schützt - richtig dosiert - vor Magenbeschwerden.
Heute stehen die exotischen Alleskönner zu verträglichen Preisen im Supermarkt, und auch aus unseren Küchen sind sie nicht mehr wegzudenken. Fast ein Kilo Gewürze verbraucht - statistisch gesehen - jeder Bundesbürger pro Jahr. Angeführt wird die Gewürz-Hitliste von Pfeffer, Paprika, Muskatnuss, Kümmel, Curry-Mischungen, Zimt und Koriander. Schon kleine Prisen geben den Speisen einen ganz unverwechselbaren Geschmack und helfen der Verdauung oder regen den Kreislauf an.
Verantwortlich dafür sind ätherischen Öl, Bitter-, Gerb- und Schleimstoffe, organische Säuren, Mineralstoffe und die hochkonzentriert enthaltenen Vitamine.
Was allerdings die Verwendung der Gewürze betrifft, wandelt man in Deutschland immer noch auf ausgetretenen Pfaden. So sollte die Muskatnuss nicht nur aus dem Regal geholt werden, wenn wieder einmal Blumenkohl auf dem Speisezettel steht. Sie eignet sich durchaus auch zur Verfeinerung von Eierspeisen, Suppen und Sauce Hollandaise. Und auch grüner Pfeffer gibt frischen Erdbeeren auf wunderbare Weise einen ganz besonderen Kick.
Damit Gewürze die volle geschmackliche Power und den in ihnen enthaltenen „Vitaminturbo“ auch tatsächlich entfalten können, sollten sie richtig gelagert werden. Wegen der Hitze nie in die Nähe des Herdes stellen und wegen der Lichtempfindlichkeit unbedingt in Gläsern aus dunklem Glas aufbewahren. Trocken sollten sie stehen und durchaus bei normaler Raumtemperatur. Nach einer Faustregel sind Gewürze nur ein Jahr haltbar. Deshalb lieber in kleinen Mengen einkaufen. Es lohnt sich, denn wann ist eine starke Prise Gesundheit schon einmal so gut gewürzt?
Und so wirken die würzigen Wundermittel:
Anis hilft bei Magenbeschwerden, lindert Krämpfe und Blähungen und lässt die Schleimhäute nach einer Erkältung abheilen.
Cayennepfeffer sorgt für gute Durchblutung.
Chili fördert den Appetit.
Kardamom soll Kariesbildung verhindern.
Koriander hilft bei Schnupfen und Husten.
Kurkuma (wichtiger Bestandteil von Curry) regt die Magensaftproduktion an und erhöht die Konzentrationsfähigkeit.
Nelken entfalten eine schmerzstillende Wirkung (z. B. Zahnschmerz), wirken desinfizierend, antibakteriell und verdauungsfördernd.
Pfeffer lindert Magenschmerzen.
Piment regt den Appetit an und reguliert das Verdauungssystem.
Wacholderbeeren regen die Nierentätigkeit an, helfen bei der Entwässerung des Körpers und lindern Aufstoßen, Völlegefühl und Durchfall. Bei äußerlicher Anwendung kann Wacholder auch Rheuma und Gicht lindern.
Zimt wirkt entzündungshemmend, fördert die Durchblutung, kräftigt die Bauchspeicheldrüse und wärmt.
Aussaat-Tipps:
Zahlreiche Gewürze wie Pfeffer oder Kurkuma können nicht im heimischen Klima angebaut werden. Doch Kräuter gedeihen sehr gut auf Terrasse, Balkon oder im Garten.
Mehrjährige Kräuter überwintern und treiben jedes Jahr im Frühling neu aus. Dazu gehören Baldrian, Beifuss, Beinwell, Bergbohnenkraut, Brunnenkresse, Currykraut, Eberraute, Estragon, Gewürzfenchel, Lavendel, Liebstöckel, Pfefferminze, Pimpinelle, Rosmarin, Salbei, Schnittlauch, Thymian, Waldmeister oder Zitronenmelisse.
Ein- und zweijährige Kräuter werden im Frühjahr ausgesät. Dazu zählen: Angelika, Basilikum, Bohnenkraut, Dill, Kamille, Kapuzinerkresse, Kerbel, Koriander, Kresse, Kreuzkümmel, Kümmel, Majoran, einjähriger Rucola und Senf.
Da es von manchen Kräutern verschiedene Arten und Sorten gibt, sollten die Ansäanleitungen genau beachtet oder ein Gärtner gefragt werden.
Janek Vincier
Foto© A. A. Wirtz
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