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Schokoholics aufgepasst!
Schwarz, bittersüß und unwiderstehlich
Sie hilft sofort zu jeder Tages- und Nachtzeit. Sie trocknet kullernde Kindertränen, verscheucht Liebeskummer und lindert Schmerzen jeder Art. Und sie ist der pure Genuss. Allein schon, wer den Namen der süßen Versuchung hört, dem läuft buchstäblich das Wasser im Mund zusammen: SCHOKOLADE.
Besonders begeistert waren die spanischen Eroberer nicht, als ihnen im 16. Jahrhundert die südamerikanischen Indios voller Stolz ihr „bitteres Wasser“ vorsetzten. Azteken, Olmeken und Maya mischten dieses ihnen vom Wind- und Mondgott Quetzacoatl übersandte Heilmittel mit Pfeffer und Piment.
Voller Vertrauen in die geheimnisvollen Wirkungen soll der altmexikanische Kaiser Montezuma täglich 50 goldene Becher davon zu sich genommen haben. Einen extragroßen Topf ließ er sich immer dann eingießen, wenn er seinen Frauen einen Besuch abstattete.
Der Eroberer Hernando Cortez war so beeindruckt, dass er das Getränk mit nach Europa brachte. Nach anderen Überlieferungen war Christoph Columbus der erste Importeur.
Bald wurden in den europäischen Adelshäusern die Trinkbecher mit flüssiger Schokolade herumgereicht. Findige Hofköche mischten die dunkle Flüssigkeit mit Zucker. Das war er, der Startschuss für eine unglaubliche Erfolgsgeschichte, die bis heute anhält.
Ein anderer cleverer Koch erfand schließlich eine Methode, die Schokolade zu festen Tafeln zu pressen und betonte die sättigende und energiespendende Wirkung. Das ideale Marschgepäck für Soldaten? Friedrich den Großen überzeugte das alles nicht: Kurzerhand verbot er die Einfuhr der Kakaobohnen.
Die Strenge des nicht gerade genussfreudigen preußischen Königs machte sich Fürst Wilhelm von Schaumburg-Lippe zu Nutze. Er gründete im Jahr des Herrn 1756 in Steinhude die erste Schokoladenfabrik.
Um die Jahrhundertwende verfeinerten dann die Schweizer ihre Schokolade mit Vollmilch.
Schokolade, das wurde bald mit grünen Wiesen, Bergen und später mit lila Kühen verbunden.
Mit der Form der Toblerone wurden gar die Bergspitzen nachempfunden.
Auch wenn einige Großkonzerne versuchen, sich die Schokoladenproduktion weltweit unter den Nagel zu reißen, es gibt immer sie immer noch: Kleine und feine Manufakturen, in denen Chocolatiers ihre unvergleichlichen und geheimgehaltenen Mischungen in Kupferkesseln zusammenrühren. Hersteller kaufen ganze Ernten, wenn es um die Jagd nach einer guten Kakaobohne geht. Die Criollo soll übrigens die Edelste sein.
Schokolade liegt wieder schwer im Trend, sagen die Marktforscher. Besonders die dunklen Sorten werden immer beliebter.
Ein besonderer Hit seien die mit leicht angeräucherten Chilischoten versetzten Sorten. Neben dem Schokoladengeschmack wird so eine leicht scharfe Note erzeugt, die nach ein paar Sekunden einen zarten Rauchgeschmack auf der Zunge hinterlässt. Ob gemischt mit Chillies, Pfeffer, Salz, Zimt, Muskatnuss, Vanille oder Piment: Schokolade boomt. „Die Absatzahlen wachsen zweistellig“, sagte der Experte Frank Fischer. Zur Zeit zerschmelzen 8,7 Kilo Schokolade jährlich auf jeder bundesdeutschen Zunge.
Bitterschokolade hat übrigens weniger Kalorien. Zudem enthält die Kakaobutter, aus der sie entsteht, ungesättigte Fettsäuren, die den Cholesterinspiegel und damit das Herzinfarktrisiko senken. Vitamine und eine Spur Koffein sorgen für einen gewissen Kick, aber warum sind wir wirklich so „heiß“ auf Schokolade? Macht sie wirklich glücklich? „Ja“, sagen die Forscher, denn sie regt die Bildung des Glückshormons Serotonin an.
Ja, wir ahnten es. Da zerfließt ein Stück Welt auf der Zunge und wird zu himmlischem Bittersüß, Feinherb und manchmal auch Edelbitter. Und für einen Augenblick zeigt uns das Leben seine Schokoladenseite.
Janek Vincier
Maricel E. Presilla:
Schokolade, die süßeste Versuchung
207 Seiten, Heyne Verlag, 2001
Eur 29,90
Trish Deseine:
Verrückt nach Schokolade - 100 sinnlich-süße Verführungen
159 Seiten, AT Verlag, 2003
Eur 19,90
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