|
|
Kaffee ist Kult:
„Heiß wie die Hölle, schwarz wie der
Teufel, rein wie ein Engel, und süß wie die
Liebe“
„Der Kaffee ist das Sinnbild der Liebe. Man liebt ihn
brünett, blond und schwarz, aber durchgängig
– heiß.“ So steht es in einer alten
Schrift. Auch der französische Staatsmann Talleyrand war in
dieses Getränk geradezu vernarrt: „Heiß
wie die Hölle, schwarz wie der Teufel, rein wie ein Engel, und
süß wie die Liebe“, sollte er sein. Ob
heißblütige Liebe oder hoffnungsvolle Aufmunterung
im aufreibendem Alltag: Auch aus unserem Leben ist Kaffee nicht mehr
wegzudenken.
Aus 60 Arten von Kaffeepflanzen werden die Mischungen zusammengestellt.
Neben den wichtigsten Sorten Coffea arabica und Coffea robusta, werden
auch exotische Sorten immer beliebter. Kein Wunder, denn die braunen
Wunderbohnen verheißen Entspannung und Versöhnung
mit dem Leben. Doch ihr Siegeszug begann gar nicht friedlich.
Eilig räumt die türkische Armee im Jahr 1670 das
Feld. Die Belagerung der Stadt Wien bleibt erfolglos. Die Zelte werden
abgebaut und anschließend wird verladen, was die gigantische
Belagerungsarmee in ihren Satteltaschen und auf dem Rücken
wegschleppen kann. Als die Wiener das verlassene Heerlager inspizieren,
fallen ihnen auch ein paar zurückgelassene Säcke mit
grünen Bohnen auf. Bis auf einen findigen Wiener Gastronom
interessieren die niemanden. Der schleppt die Beute nach Hause und
röstet die Bohnen „nach
Türkenart“ über dem Feuer.
Sein frisch gebrühter Kaffee wird nicht nur zu einem
Siegestrunk, sondern zu einem echten Verkaufsschlager. Nach wenigen
Monaten kann der Mann mit dem Verdienst das erste Kaffeehaus in der
Donau-Metropole eröffnen.
Doch europäische Kaffeepioniere waren die Wiener keinesfalls.
Schon Jahrzehnte zuvor konnte man das anregende Getränk in
einem Hamburger Kaffeehaus genießen. Übrigens sehr
zum Leidwesen der königlichen Majestäten, die den
Absatz des heimischen Biermarktes gefährdet sahen. Exorbitante
Steuern wurden auf den Kaffee erhoben und böse
Gerüchte über seine Schädlichkeit in Umlauf
gesetzt. Zusätzlich röstete man aus Gerste und Roggen
einen Ersatzkaffee. Weil der auf wenig Gegenliebe stieß,
blühte Kaffeeschmuggel und Schwarzhandel. Die Obrigkeit war
auf der Hut, und tatsächlich schlichen nachts
Kaffeeschnüffler durch die Gassen. Sie waren all jenen
Unholden auf den Fersen, die unversteuerte Wunderbohnen über
dem eigenen Herdfeuer rösteten. Genützt hat das alles
nichts. Der Triumphzug des aromatischen Getränks, dessen
Bohnen aus Brasilien, Costa Rica oder Kolumbien stammen, war einfach
nicht aufzuhalten. Den Komponisten Johann Sebastian Bach
entrückte das Getränk derart, dass er vor lauter
Begeisterung eine Kaffee-Kantate auf das Notenpapier warf. Und der
französische Philosoph Voltaire soll gar 70 Tassen
(täglich!) davon getrunken haben, um mit Hilfe des Koffeins
seinen Verstand zu wetzen.
Inzwischen werden die Bohnen von Spezialisten verkostet und dann zu
edlen Auslesen zusammengemischt. Und auch die Art der Zubereitung hat
sich gewandelt. „Wir haben einen eindeutigen Trend zu
Espresso in verschiedenen Geschmacksrichtungen“, sagt Jens
Burg. Er ist einer der letzten privaten Kaffeeröster in
Hamburg. Auch für den ganz besonderen Geschmack hat der
Spezialist eine Empfehlung: „Sidamo Kaffee aus
Äthiopien, der schmeckt nach schwarzen Johannisbeeren und ist
noch bezahlbar.“ Wichtig ist ihm, dass man einer besonderen
Tasse Kaffee auch ein besonderes Ritual zukommen lässt.
„Gleichgültig ob man ihn später
süß oder mit Milch trinkt, den ersten Schluck immer
pur schlürfen, um den Eigengeschmack zu
genießen“, rät Burg.
Kaffee ist und bleibt mit Geselligkeit verbunden. Und dazu
gehört sicher auch die gemütliche Kaffeerunde mit
Freunden oder Nachbarn. Auch ein kleines Alltags-Ritual, das es
verdient, wieder belebt zu werden. Denn mit dem Duft des Kaffees zieht
trotz Wind und Wetter auch ein wenig brasilianische Sonne und
kolumbianisch strahlender Himmel direkt über den Kaffee-Tisch.
Vincent
Vanhall
Foto©
A. A. Wirtz
Zurück zu Genuss und Wellness!
|
|