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Carmen Korns Krimi
„Tod einer Göttin“:
Schicksalsjahre einer Diva
In ihrem Kriminalroman „Tod einer Göttin“
erzählt die Hamburger Autorin Carmen Korn eine spannende
Geschichte aus dunkler deutscher Zeit. Es geht um Verrat, Mord und
Rache.
Wann endet Vergangenheit? Wann Schuld? Gibt es überhaupt ein
Ende auf diesem Zeitstrang, dessen Gegenwart unablässig von
Vergangenem gespeist wird und auf dem wir leben? Gegenwart ist nicht
mehr als eine Chimäre, im nächsten Augenblick ist sie
bereits Vergangenheit und Zukunft in einem.
Natürlich endet Vergangenheit nie, sie ist unsere Geschichte,
im guten wie nicht minder im Bösen. Die Hamburger Autorin
Carmen Korn widmet sich in den meisten ihrer Kriminalromane den dunklen
Seiten der Geschichte, der deutschen im speziellen. Die Schatten werden
bei ihr lebendig, sie greifen in das Heute ihrer Protagonisten und
lassen sie nicht entkommen, so gern sie das auch immer möchten.
Carmen Korn spielt in ihren Roman souverän mit den
Strängen unheilvoller Verflechtungen – in ihrer
Kriminalerzählung „Der Tod in
Harvestehude“, die mit dem „Marlowe“
ausgezeichnet wurde, ebenso in der Kurzgeschichte „Unter
Partisanen“, für die sie den
„Glauser“ erhielt. Auch in ihrem neuen Roman
„Tod einer Göttin“ geht sie
zurück in die deutsche Vergangenheit, in die letzten
bedrückenden Jahre des NS-Regimes.
Schauplatz der Geschichte ist wie in den beiden Vorgängern
„Tod eines Klavierspielers“ und „Tod
eines Politikers“ erneut Hamburg. Bekannt ist auch das
Stammpersonal: Vera Lichte, wohlhabende Erbin eines
Schlagerkomponisten, Anni, die fürsorgende
Haushälterin, Nick, der befreundete Fotograf, Pit Gernhardt,
der Kommissar.
Jana Tempel, einstmals die Geliebte von Veras Vater und eine
berühmte Schauspielerin, steigt im Hotel Vier Jahreszeiten ab.
Eine Diva, die zehrt vom verblassenden Ruhm und verfolgt wird von dem,
was sich ereignete in jener braunen Zeit. Einen Schlussstrich will sie
ziehen und, reich wie sie ist, sich freikaufen. Vera und Nick sollen in
ihrem Auftrag acht Personen ausfindig machen, von denen die Tempel
offenbar verfolgt wird. Sie fürchtet um ihr Leben, und um sie
herum beginnen die Menschen zu sterben, nicht eben freiwillig.
Behutsam und mit Sorgfalt entblättert Carmen Korn den Kern
ihrer elegant und stringent komponierten Geschichte, deren Ton von
einer tiefen Menschlichkeit zeugt in der so beiläufigen wie
punktgenauen Charakteristik ihrer Figuren.
Die Frucht jedoch, die den Kern verbirgt, schmeckt bitter. Mehr und
mehr Details aus alter Zeit erfahren und recherchieren Vera, Nick und
der Kommissar – Verrat, Missbrauch und Mord, Rache, Neid und
Gier sind die klassischen Säulen, die diese Geschichte
stützen. Und das Sterben auch der Kinder –
Bullenhuser Damm, Neuengamme, Spaldingstraße sind die
Stichworte.
Immer enger zieht sich die Schlinge um den Hals der rothaarigen Diva,
die vergessen will und es nicht kann. Und inmitten dieses Tableaus aus
Gefühl und Gewalt platziert Carmen Korn zwei zart
aufblühende Liebesgeschichten – zwischen Vera und
einem Dorfpolizisten, zwischen Nick und einer polnischen
Küchengehilfin des Luxushotels. Ein kleines Licht, das
Versöhnung und Wärme aufscheinen lässt.
Wenngleich nur kurz, denn es ist ein Netz aus Schuld und Schicksal, das
Carmen Korn spinnt, ein Netz, aus dem es kein Entkommen gibt. Nicht
für die Protagonisten, weil sie Teil der Verstrickung sind,
nicht für die Leser, weil die spannende Dramaturgie sie
gefangen nimmt.
Die Vergangenheit lebt, und Erlösung ist eine metaphysische
Kategorie, im realen Leben hat sie keinen Ort. Auch nicht in diesem
Kriminalroman. Es sei denn als Sehnsucht.
Volker
Albers
Carmen Korn: Tod einer Göttin
256 Seiten, Fischer Taschenbuch Verlag
Eur 8.90
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