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Dinner for one - Killer for
Five:
Mörderische Vorgeschichte des berühmtesten Dinners
der Welt
Jedes Jahr zum Jahreswechsel pflegen Familien hierzulande dasselbe
Ritual, schalten deutsche Fernsehzuschauer im Norden und Süden
dieselbe Kultsendung ein. Verabredungen werden danach getroffen, und
auch das Essen dementsprechend geplant.
Nein, nicht von der Neujahrsansprache des Bundeskanzlers ist hier die
Rede. Gemeint ist "Dinner for one", der 90. Geburtstag, den die gute
alte Miss Sophie nach immer demselben Schema - "The same procedure as
every year, James!" - mit ihrem hingebungsvollen, aber auch ein
bisschen verschlagenen Butler und mir ihren nur noch imaginär
anwesenden alten Weggefährten begeht. Noch keiner ihrer Fans
aber hat sich im Laufe der vielen Jahrzehnte, in denen James nun schon
über das Tigerfell stolpert, die Frage gestellt, woran Miss
Sophies vier Verehrer eigentlich einst starben. An
Altersschwäche? Weit gefehlt, wie uns Michael Koglin in seinem
vergnüglichen Roman "Dinner for one - Killer for Five" nun
erzählt. Endlich lernen wir sie, ihre Lebensläufe und
Todesfälle, aus der Nähe kennen: Sir Toby, den mehr
mit dem Butler verbindet, als ihm lieb ist und als hier preisgegeben
werden darf; Admiral von Schneider, dessen deutscher Name schon den
Verdacht nahe legt, es könne sich um einen
gefährlichen Hochverräter, gar einen Spion Kaiser
Wilhelms des Zweiten handeln; Mr. Pommeroy, Miss Sophies Trainer
für körperliche Ertüchtigung, der als
einziger der Herren nicht ihr, sondern dem Butler den Hof macht; und
schließlich Mr. Winterbottom, einem in der okkulten Szene
bekannten Medium, der Miss Sophies Landsitz mit seiner
Wünschelrute abklopft, auf der Suche nach den Energien der vor
ihm verstorbenen Geister.
Mit von der Partie auch noch Chefinspektor de Craven und sein Assistent
Oggerty. Sie sind ihren kriminalen Machenschaften immer dicht auf der
Spur, haben aber gegen Miss Sophies sportlichen Ehrgeiz keine Chance.
Die Geschichte, die Michael Koglin erzählt, die Vorgeschichte
des berühmten Dinners also, ist so einfach und nahe liegend
wie genial, und die Mordmethoden, zu denen seine Helden greifen, sind
durchweg originell: ein vergifteter Pfeil, ein Haifischgebiss, ein
Panzer mit Zielfernrohrautomatik, ein Tiger, der noch nicht Fell
geworden ist.
In den besten Partien des Romans hört man Miss Sophies
genäselten englischen Tonfall durchklingen und wird, auch
wegen des Zeitkolorits, an Agatha Christie erinnert; manche Feinheit
aber mag man vermissen, etwa das Rezept der Mulligatawny-Suppe, mit der
das Menü beginnt. Aber wir wollen nicht mäkeln. Des
Butlers "I'll do my very best" hat sich auch der Autor zu Herzen
genommen, und uns zum Jahreswechsel eine kurzweilige, gut
gewürzte und doch leicht verdauliche Lesemahlzeit serviert.
Regula
Venske
Regula
Venske, geboren 1955, lebt und
arbeitet als Romanautorin und Kritikerin in Hamburg.
Michael Koglin:
Dinner for one - Killer vor Five
240 Seiten, Droemer Knaur
Eur 9,80
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